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"Chaotisches Drumherum, und darin veranstaltet die Karikatur ihre Schießübungen, wenn sie gut zielt, trifft sie den lebendigen Mittelopunkt, die Singularität, während die Spießer und kleinkarierten Dummbeutel sich ein klein wenig in die Peripherie verstoßen fühlen und dem Ereignishorizunt hinterher heulen. Ihr Leben in Langeweile verewigt sich im feigen abstand vor dem schwarzen Loch. "

"Entweder man schätzt die Karikatur oder man liebäugelt nur mit Blümchenwiesen."


"Der wahre Kunstschatz ist ein Kugelblitz und erblickt nur für Sekunden das durch ihn verletzte Licht dieser Welt in einer gemütlich warmen Stube." "Sehr dazu geneigt, ja beinahe in unerschütterlichem Glauben, würde ich behaupten wollen, daß jede Karikatur eine logische und penetrante, zugleich aber auch charmant unterminierende Erfindung ist im Hoheitsgebiet der Kunst. Dennoch, Kleinigkeiten da und dort verunsichern mich von mal zu mal." "Nur wer sich allzu ernst nimmt, gehört von der Karikatur geschlagen und gebeutelt, ansonsten beutelt und schlägt sich die erfolgreiche Karikatur im Nebengang ganz von selbst."

"Die gelungene Pointe ist ein zuspitzendes Etwas, wahrscheinlich ein auch Feinde

stimulierender Witz, der sich gewendet und stets neu gewandet bereits seit Jahrtausenden

zielgerichtet und zielgerecht behauptet."


"Jede gelungene Karikatur zelebriert sich aus Brennesseln, Hagebutten, Pfeffer und roten Chilischoten. Und ein wenig Sacharin zum Runterspülen. Um das Bodenlose im Verdauungstrakt empor zu kitzeln, versuchen wir den immer wieder

gesuchten und gefundenen Leibes- und Geistesschreck hineinzuwürgen: Die Zutaten bleiben zunächst im Halse 


stecken, während auf der Zunge noch immer ein radikal versüßender Nachgeschmack klebt.  Dann vielleicht zündet der Witz." ""Ist die Karikatur nur ein Strohfeuer, dann ist sie nur ein Strohfeuer in einem sie umgebenden Strohfeuer und selbst überhaupt nicht sichtbar.""


"Die unleugbare Nähe der Karikatur und Satire, letztlich auch die der Humorzeichnungen zu Verfahrensweisen einer Kunst, die man salopp als die Moderne ("klassische") bezeichnet, sollte mit Vehemenz bezweifelt werden, um noch deutlicher als bislang im Umkehrschluß herausstellen zu können, wir sehr die Karikatur Bestandteil der hohen Künste ist und nicht nur untergeordneten Bereichen der Gebrauchgraphik angehört."

 auf Messers Schneide einen Tanz auf dem Vulkan wagen und wie auf einem Drahtseil mit einem Klotz am Bein ohne abzurutschen auch die Liebsten bis aufs Blut reize "Eine Karikatur muß nicht laut oder bunt sein, nicht subtil. Ihr Witz muß wie ein Blitz punktgenau das Streitfeld an seiner höchsten Stelle treffen, ein Schlaglicht, ein Dolchstoß, er muß seinem Gegenüber ins Gehirn greifen und dort sein berechtigtes Unheil anrichten, meinetwegen auch mit Humor, der ansonsten, von denen die sich für befähigt halten, eine Humorzeichnung auf den Weg zu bringen, die ganze Weltgeschichte herbeizuzitieren hat, meinetwegen liebenswürdig auf den ersten Blick, doch hinterücks abgrundtief, weil ja auch soviel vornehmes Scheitern hineingetunkt werden muß. Also ist die Karikatur bei weitem mehr in ihrer Zeit verknüpft als die zeitunabhängigeren Humorzeichnungen. Am Ende von allem frohlockt die Einsicht, wir haben es mit Kunst zu tun, unser Urteil wird ungerecht und parteisch sein, auf jeden Fall aber unbestechlich, was, Hand aufs lachende Herz, das Beste ist. Und tröstlich."
 "Wer lachen will, nimmt Lachpulver, wer denken will, braucht Denkpulver, wer beides zugleich tun will, schüttet sich eine Handvoll Juckpulver in den Nacken Wer gar nichts tun will, stellt sich in den Regen und wartet dort auf einen Tränengaseinsatz der Wasserholding."

"Nichts ist so heiß, wie es heißt, sagt uns der trockene Humor: das Mare Humorum ist noch immer ein Meer der Feuchtigkeit - seit 1935." 
 Jan Ulrich Kurzweil, zitiert aus: Zur Ästhetik der Karikatur, in: Jahrbuch der zeichnenden Gesellschaft, S. 25-45, Zittau 2010/11